Über das Pfingstwochenende (22. - 25. Mai 2026) machte sich eine 24-köpfige Gruppe der Rudergesellschaft Trier (RGT) auf zur diesjährigen Ruderwanderfahrt – diesmal auf der französisch-belgischen Maas. Wir waren eine bunt gemischte Truppe: von Ende zwanzig bis ins Rentenalter, erfahrene Wanderruderer ebenso wie Neulinge, die zum Teil erst seit einer Saison im Boot sitzen. Zwei Gastruderer aus Köln und Irland bereicherten unsere Gemeinschaft.
Auftakt mit Riggerschlüssel und Vorfreude
Los ging es bereits am Donnerstagabend (21. Mai 2026) auf unserem Vereinsgelände: Vier Gig-Doppelvierer wurden abgeriggert und gemeinsam mit einem Schlauchboot sorgfältig auf den Bootsanhänger verladen. Der Grundstein für ein gelungenes Wochenende war gelegt.
Auftakt in Givet – nichts für schwache Nerven (oder Warmduscher)
Am Freitagvormittag starteten wir gemeinsam in Richtung Givet im Norden Frankreichs, dem „Tor zu den Ardennen“. Zunächst wurden die Boote zum Ausgangspunkt unserer ersten Etappe nach Haybes transportiert und nach einer kleinen Stärkung mit selbstgebackenem Kuchen wieder aufgeriggert. Anschließend bezogen wir unser Quartier im Hotel Val Saint-Hilaire in Givet.
Was im Internet als „Hotel mit Charakter“ angepriesen wird, entpuppte sich vor Ort als eine ganz eigene Interpretation dieses Begriffs: Stromausfälle, kalte Duschen, unsaubere Zimmer, ein Wasserschaden und ein Abendessen, das sich über drei Stunden erstreckte – bei lauwarmen Speisen und eigenwilligem Service. Auch das Frühstück am nächsten Morgen (Stichwort: saure Milch und steinharte Baguettes) ließ zu wünschen übrig.
Die Stimmung ließen wir uns davon dennoch nicht verderben – ganz im Gegenteil. Mit (teils schwarzem) Humor nahmen wir die Situation, erkundeten die Altstadt und ließen den Abend entspannt am Ufer der Maas ausklingen.
Erste Etappe: Von Haybes nach Givet
Am Samstag brachte uns ein Linienbus nach Haybes, wo unsere erste Ruderetappe begann: 20 km flussabwärts zurück nach Givet. Die Maas präsentierte sich von ihrer schönsten Seite – gesäumt von grünen Hängen, ruhigen Ortschaften und deutlich weniger Bootsverkehr als unsere heimische Mosel. Fünf Schleusen lagen auf dem Weg, die wir dank eines „fliegenden“ Schleusenwärters problemlos passierten – eine spannende Erfahrung, insbesondere für unsere Wanderfahrt-Neulinge. Nach einer entspannten Mittagsrast am Ufer – inklusive liebevoll vorbereitetem Picknick des Landdienstes – erwartete uns ein ganz besonderes Highlight: der 565 m lange, unbeleuchtete Tunnel von Ham-sur-Meuse. Da er für unsere Boote etwas zu schmal war, wurden die Skulls eingezogen und wir paddelten mit sogenannten „Piddeln“ durch die Dunkelheit (manche mit, manche ohne Stirnlampe) – ein unvergessliches Erlebnis und zugleich eine willkommene Abkühlung bei knapp 30°C. Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel, den Ruderclub „Pelle Mosane Club d‘aviron“ in Givet, wo wir herzlich empfangen wurden. Am Abend kehrten wir im „Café du Musée“ ein und ließen den Tag bei gutem Essen und Live-Musik ausklingen.
Zweite Etappe: Grenzübertritt und Planänderung
Am Pfingstsonntag wurden zunächst die Autos nach Dinant gebracht, bevor wir unsere zweite Etappe starteten – diesmal auf belgischem Gebiet und begleitet von unserem Motorboot, wie es uns behördlich vorgeschrieben wurde.
Zur Mittagszeit erreichten wir Waulsort. Ein kleines Abenteuer wartete auch hier: Zunächst organisierten wir einen Transfer per Schlauchboot, bis wir die letzte traditionelle Seilfähre der Maas entdeckten. Der Fährmann – von uns kurzerhand „Thor“ getauft – zog uns eigenhändig ans andere Ufer. Da das geplante Grillmenü leider ausfiel, improvisierten wir spontan mit Snacks und kühlen Getränken.
Die Strecke selbst begeisterte mit eindrucksvollen Kalksteinfelsen, die sich markant über den Fluss erheben, einem Schloss am Ufer und einer insgesamt sehr malerischen Landschaft. Ursprünglich waren 26 km bis Anhée geplant, doch aufgrund zeitlicher Verzögerungen entschieden wir uns kurzerhand die Etappe in Dinant enden zu lassen. Direkt vor unserem Hotel machten wir die Boote fest und gingen zum gemütlichen Teil des Abends über. Im „Café Ardennais“ wurden wir mit hervorragendem Essen verwöhnt.
Dinant präsentierte sich uns als lebendige, charmante Stadt, geprägt von einer eindrucksvollen Kulisse aus Kirche und Festung mit einer schönen Uferpromenade, die uns zum Verweilen einlud.
Abschluss in Anhée
Am Montag starteten wir entspannt in den letzten Tag – mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Hotelterrasse und Blick auf die Maas.
Unsere finale Etappe führte uns über etwa 8 km und durch zwei Schleusen nach Anhée, wo wir beim „Royal Cercle Nautique Dinantais“ herzlich empfangen wurden.
Nachdem die Boote verladen waren, blieb noch Zeit für ein erfrischendes Bad in der Maas und ein kühles Getränk auf der Clubhausterrasse – fast ein bisschen wie zuhause in Trier, nur mit Kalk- statt Buntsandsteinfelsen.
Traditionell endete auch diese Wanderfahrt mit einem Campari Orange (wahlweise mit oder ohne Alkohol) und kleinen Snacks, bevor wir uns auf die Heimreise machten. Gegen 17 Uhr erreichten wir Trier, reinigten die Boote und riggerten sie wieder auf.
Fazit und Dank
In puncto Organisation war diese Ruderwanderfahrt zweifellos die bisher aufwendigste. Genehmigungen der französischen und belgischen Behörden mussten eingeholt, die Bootsmaut geklärt sowie Unterkünfte und Infrastruktur organisiert werden…
Ein ganz besonderer Dank gilt daher unserem Ruderwanderwart, der mit außergewöhnlichem Engagement, viel Herzblut und großer Ausdauer diese Fahrt möglich gemacht hat – trotz aller bürokratischen und organisatorischen Hürden.
Am Ende bleiben viele unvergessliche Erlebnisse und die Vorfreude auf die nächste Wanderfahrt! 2027 geht es an die Mecklenburgische Seenplatte (wo wir bereits vor ein paar Jahren waren).
Bericht: Sarah Becker